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Stress

Boreout: Symptome, Ursachen und der Unterschied zu Burnout

Von Paul Kloosterman

Zu wenig sinnvolle Arbeit kann ebenso belasten wie ein ständig voller Schreibtisch. Wer über längere Zeit kaum gefordert wird, monotone Aufgaben erledigt oder keinen Einfluss auf die eigene Arbeit erlebt, kann sich erschöpft, gereizt oder wertlos fühlen. Dafür wird häufig der Begriff „Boreout“ verwendet.

Was ist Boreout?

Boreout ist kein anerkannter medizinischer Diagnosebegriff. Gemeint ist eine Belastung durch anhaltende berufliche Unterforderung, Langeweile oder fehlenden Sinn. Das Erleben kann ernst sein, die Beschwerden können aber auch andere psychische, körperliche oder arbeitsbezogene Ursachen haben.

Vorübergehende Langeweile ist normal. Problematisch wird Unterforderung eher, wenn sie häufig auftritt, kaum veränderbar scheint und Wohlbefinden, Selbstvertrauen oder Alltag über längere Zeit beeinträchtigt.

Welche Symptome werden bei Boreout beschrieben?

Häufig genannt werden Müdigkeit, Antriebsmangel, Gereiztheit, Konzentrationsprobleme, innere Unruhe und sinkende Motivation. Manche Menschen fühlen sich trotz geringer Arbeitsmenge am Ende des Tages erschöpft. Kein einzelnes Symptom beweist Boreout.

Mögliche Hinweise im Arbeitsalltag sind:

  • Es gibt dauerhaft zu wenig zu tun oder Aufgaben wiederholen sich ständig.
  • Fähigkeiten und Erfahrung werden kaum eingesetzt.
  • Zeit wird versteckt abgesessen oder Beschäftigung vorgetäuscht.
  • Der Arbeitstag fühlt sich ungewöhnlich lang und sinnlos an.
  • Eigeninitiative nimmt ab, obwohl früher Interesse vorhanden war.
  • Scham verhindert, offen über Unterforderung zu sprechen.
  • Schlaf, Stimmung oder Beziehungen leiden zunehmend.

Diese Beschwerden überschneiden sich mit Depression, Burnout, Schlafproblemen und körperlichen Erkrankungen. Eine fachliche Abklärung ist sinnvoll, wenn sie anhalten.

Was kann Boreout auslösen?

Belastend sind meist nicht einzelne ruhige Tage, sondern dauerhafte Arbeitsbedingungen: zu geringe oder monotone Anforderungen, fehlender Handlungsspielraum, kaum Lernmöglichkeiten, unklare Rollen, mangelnde Anerkennung oder das Gefühl, dass die eigene Arbeit keinen Sinn hat.

Das österreichische Gesundheitsportal nennt unter anderem wiederkehrende Arbeitsabläufe, fehlende Entwicklungsmöglichkeiten, zu wenig Mitgestaltung und dauerhafte Unterforderung als mögliche psychische Belastungen. Verantwortung liegt deshalb nicht nur bei der betroffenen Person; Arbeitsgestaltung spielt eine wichtige Rolle.

Was ist der Unterschied zwischen Boreout und Burnout?

Boreout beschreibt Belastung durch Unterforderung und fehlende Stimulation. Burnout beschreibt laut WHO die Folgen von chronischem, nicht erfolgreich bewältigtem Stress am Arbeitsplatz. Beide Begriffe sind keine eigenständigen medizinischen Diagnosen und können ähnliche Beschwerden wie Erschöpfung, Distanz und Leistungsabfall umfassen.

In der Realität können Über- und Unterforderung wechseln oder gleichzeitig auftreten: viel Zeitdruck bei inhaltlich monotoner Arbeit, hohe Verantwortung ohne Entscheidungsspielraum oder volle Tage ohne erlebten Sinn. Eine Selbstdiagnose anhand der Arbeitsmenge greift daher zu kurz.

Was kann ich bei Boreout tun?

Beobachte zunächst zwei Wochen lang konkrete Situationen: Welche Aufgaben fordern dich, wann entsteht Leerlauf, wo fehlen Verantwortung, Rückmeldung oder Sinn? Trenne beobachtbare Arbeitsbedingungen von der pauschalen Bewertung „alles ist langweilig“.

Mögliche nächste Schritte:

  1. Sprich mit der Führungskraft über konkrete Aufgaben, Verantwortung oder Lernziele statt nur über allgemeine Unzufriedenheit.
  2. Bitte um abwechslungsreichere Tätigkeiten, realistische Zuständigkeiten oder Beteiligung an einem Projekt.
  3. Nutze, falls vorhanden, Betriebsrat, Arbeitsmedizin oder Arbeitspsychologie.
  4. Prüfe Fortbildung oder interne Wechsel, ohne vorschnell zu kündigen.
  5. Hole dir fachliche Unterstützung, wenn Stimmung, Schlaf oder Selbstwert deutlich leiden.

Diese Schritte sind keine arbeitsrechtliche Beratung und garantieren keine bestimmte Reaktion des Arbeitgebers.

Wann ist professionelle Hilfe bei Boreout sinnvoll?

Professionelle Hilfe ist sinnvoll, wenn Niedergeschlagenheit, Erschöpfung, Schlafprobleme oder Rückzug über Wochen anhalten und sich auch außerhalb der Arbeit zeigen. Eine Hausarztpraxis, Psychotherapie oder klinische Psychologie kann andere Ursachen abklären und passende Schritte planen.

Bei Suizidgedanken oder akuter Krise erreichst du in Österreich die Telefonseelsorge unter 142. Bei unmittelbarer Gefahr rufe 144 oder 112.

Weitere Orientierung bietet die Themenseite Stress. Auf Ratfinder findest du Expert:innen für Stress, Arbeit und Überforderung.

Dieser Artikel dient der Orientierung und ersetzt keine Diagnose, Behandlung oder arbeitsrechtliche Beratung.

Über den/die Autor:in

Paul Kloosterman
Paul Kloosterman

Psychosozialer Berater

Psychosoziale Beratung bei anhaltender Überlastung, Stress und Erschöpfung. Systemisch, lösungsorientiert und personenzentriert – in Wien, Gmünd (NÖ) oder online.

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